Zertifizierter Hundetrainer

Die Hundeversteherin​

HUND. MENSCH. MITEINANDER.

"Wissen für alle Felle" beim Hundetraining

Warum liegt ein Hund auf dem Sofa oder dem Bett? Nicht etwa weil er die Weltherrschaft will, sondern weil es so wahnsinnig gemütlich ist. Außerdem stammt das enge Kontaktliegen von den wölfischen Genen ab. Kommt es zu Verhaltensauffälligkeiten, wie z.B. Aggressionen oder Resourcenverteidigung wird ihm konsequent „der Hut abgenommen“ und er kommt vom Sofa und aus dem Bett.

Räumliches Sehen: Je nach Rasse ist der Blickwinkel des Hundes 240 bis 270 Grad groß. Daher kann kann er gut wahrnehmen, ob der Halter schräg hinter ihm eine gerade Körperhaltung hat oder nicht. Eine unsichere Körperhaltung kann er durch sein großes Blickfeld sehr gut wahrnehmen, der Hund muss nicht neben dem Halter laufen, um es zu erkennen.

Daher: Immer auf die Körperhaltung achten, auch wenn der Hund vorne läuft!

Farben sehen: Hunde können die Farben Grün, Gelb, Orange und Rot nicht unterscheiden. Sie sehen ähnlich wie ein farbenblinder Mensch, der eine Rotgrünblindheit hat. Daher kann ein Hund einen roten Ball auf einer grünen Wiese schwer finden.

Timing: Das perfekte Timing liegt bei einer halben Sekunde, um den Hund zu belohnen. Daher sollte man nie unkonzentriert trainieren. Wenn man einen Befehl ausspricht, sollte man jedesmal, wirklich jedesmal hoch konzentriert sein, um den perfekten Zeitpunkt zu erwischen. Lieber auf ein Training verzichten, als es halbherzig zu machen. Wenn man mal nicht gut drauf ist, kann man lieber andere Dinge mit seinem Liebling machen: Kuscheln, Bürsten, das Tier fotografieren... und.... nochmal kuscheln 

Die „Sandburgenzerstörer“: So nenne ich die Familienmitglieder, die sich nicht an die aufgestellten Regeln halten wollen. Entweder sie benutzen andere Befehle, z.B. für „Sitz“ sagen die Sandburgenzerstörer „setz Dich hin“. Diesen Befehl kennt der Hund natürlich nicht und macht auch nichts! Oder sie lassen sich „ausnahmsweise“ anspringen etc.

Diese Menschen sind überaus liebenswert und wollen sich bei dem Hund nur beliebt machen, erreichen aber leider in der Hundeerziehung das Gegenteil. Verwirrung beim Hund und Stress mit dem Partner!!!

Die Nase: Die Nase des Hundes besitzt bis zu 225 Millionen Riechzellen, der Mensch besitzt nur 5 bis 7 Millionen. Der Hund „sieht“ viel mit der Nase. Der olfaktorische Bereich im Gehirn macht 10 % des Hundehirns aus und im Gaumen befindet sich das Jacobsonsche Organ, durch das Hunde Gerüche „schmecken“ können. Oft beobachtet nach dem Schnuppern an Urinmarken ein leichtes Zähneklappern oder schmatzen. Die langnasigen Hunde riechen im Durchschnitt besser, als ihre kurznasigen Kollegen.

Einbrecher beißen: Ein Hund muss so gehalten werden, dass er niemanden verletzen kann. Selbst bei einem unbefugten Betreten, z.B. von einem Einbrecher, kann es zu einem Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung, einem Wesenstest des Hundes als auch zu einer Zahlung von Schmerzensgeld kommen. Wer würde das für möglich halten? Unfassbar aber wahr!

Wiederholungen: Zwischen 1.000 und 3.000 Wiederholungen benötigt ein trainierter Befehl, damit dieser an jedem Ort und in jeder Situation ausgeführt werden kann. Da ein Hund umgebungsabhängig lernt, muss man überall und unter verschiedenen Ablenkungen diesen Befehl trainieren. Sonst hat man das Phänomen, dass der Liebling auf dem Hundeplatz alles kann und unterwegs nichts verlässlich funktioniert.

Dominanz des Menschen: Man dominiert nicht den Hund, sondern man zeigt eine verlässliche und loyale Autorität. Aggressive Hundehalter zeigen dem Hund lediglich ihre Hilflosigkeit und dass sie als Führungsperson nichts taugen. Es kann eine Aggressionsspirale auf beiden Seiten entstehen. Nur sehr respektvoller Umgang und verlässliche Ausbildung erzeugt einen Hund, auf den man sich verlassen kann.

Geschmackssinn: Hunde sind keine Gourmets, da sie im Gegensatz zu uns Menschen (ca. 9.000 Geschmackspapillen) nur ca. 1.700 auf der Zunge haben. Trotzdem entwickeln sie ihre ganz individuellen Vorlieben und Süßes mag leider jeder Hund, darf aber trotz der Vorliebe natürlich nicht gefüttert werden.

Schwanzwedeln: Was bedeutet es, wenn der Hund mit dem Schwanz wedelt? Einige Hundehalter antworten mir bei der Frage: „Der freut sich!“. Dann antwortet ich immer sehr gelassen: „Kann sein, muss aber nicht!“.

Schwanzwedeln bedeutet nur Emotionen, welcher Art diese sind muss aus dem Gesamtkontext und der Körpersprache interpretiert werden. Ein Jagdhund vor dem Loch eines Beutetieres wedelt auch mit dem Schwanz, oder ein Rottweiler, der sein Revier verteidigt, läuft auch erstmal „schwanzwedelnd“ am Zaun lang.

Der Befehl „Fuß“ ist einer der schwersten Befehle überhaupt, da dieser nie endet. Man muss diesen entweder mit einem Auflösebefehl oder einem anderen Kommando auflösen. Wenn man ihn trainieren will, fängt man in ganz, ganz kleinen Schritten an. Man muss sich im Training immer bewusst sein, dass, nachdem man „Fuß“ gesagt hat, dieser Befehl nie wiederholt wird. Einige Hundehalter sagen „Fuß“ (ohne den Befehl richtig konditioniert zu haben), wollen aber eigentlich nur eine gute Leinenführigkeit, ohne am anderen Ende der Leine wie ein Fähnchen hinterher zu wehen. 

Probleme beim Spaziergang? Oft laufen Halter dann wie in einer kaputten Ehe als "Cusack der Schweigsame" mit ihrem Hund und konzentrieren sich nur noch auf das negative Verhalten. Dann muss man den Spaziergang umstellen. Jeder Hund hat seine Vorlieben und Talente, auf diese konzentriert man sich. Sei es Apportieren, Suchspiele... u.v.m. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Wenn der Spaziergang nicht mehr als langweilige Zeit empfunden wird, sondern als Zeit, die Spaß und Gemeinsamkeit ausmacht, hat man den Schlüssel für eine Veränderung. Die Umstellung ins Positive ist der Anfang, um den Spaziergang emotional in eine andere Richtung zu lenken... So einfach kann Hundepsychologie sein!

Das Hundeohr hat die Möglichkeit selektiv zu hören. Obwohl sie viel besser hören als der Mensch (Mensch: 20 bis 20.000 HZ, Hund: 15 bis 50.000 HZ), können Hunde Geräusche filtern. Sie schlafen trotz lauter Musik, wachen jedoch sofort auf, wenn der Fressnapf gefüllt wird oder sich ein Fremder dem Haus nähert. Die Sinneszellen sind nicht wie bei uns Menschen direkt mit dem Ohr verbunden, sondern über Nervenbahnen mit dem zuständigen Hirnnerv verbunden. Der Hund kann diese Nerven ausschalten und sozusagen auf Durchzug stellen. 

Leinenruck kann nicht nur die Halswirbel sondern im schlimmsten Fall auch die Schilddrüse beschädigen. Es gibt viele Wege dem Hund eine Leinenführigkeit beizubringen, die „Leinenruck-Methode“ ist eine der Gefährlichsten für die Gesundheit des Hundes.

Als Hundetrainer rate ich in aller Entschiedenheit von dieser Methode ab! Diese Methode wird immer wieder gerne gezeigt und angewendet....LEIDER!

Stöckchen-Werfen ist ein sehr gefährliches Spiel. Es können sich Splitter lösen, die dann im Gaumen oder im Zahnfleisch stecken bleiben. Oder der Hund kann sich den Stock im Ganzen in den Gaumen rammen, wenn dieser im Boden stecken bleibt und der Liebling nicht mehr rechtzeitig bremsen kann.

Gesichter lesen: Hunde können sogar besser als Primaten unser Gesicht und den Ausdruck in diesem lesen. In Studien konnte man herausfinden, dass Hunde sich vermehrt Futter von einer lächelnden Person abholten, als von einer Person, die sehr ernst oder gar grimmig guckte. Deshalb sollte beim Hundetraining auch lächeln, wenn der Hund etwas gut gemacht hat. Lächeln ist eine Bereicherung für das Training und die Lernatmosphäre des Hundes.... und nicht zu vergessen... für die des Halter.😉

Die Pfoten unser Hunde sind sehr empfindlich und ein hoch sensibler Teil unserer Lieblinge. In den Ballen befinden sich die sogenannten Vater-Pacini-Körperchen, das sind spezielle Nervenbahnen, die dem Hundehirn Vibrationen in der Umgebung übermitteln.

Spiegelneuronen: Wer kennt es nicht? Stimmungen des Hundehalters werden auf den Hund übertragen. Verantwortlich dafür sind die sogenannten Spiegelneuronen, sie sind beim Hund bis jetzt noch nicht erforscht, beim Mensch und Affen bereits nachgewiesen. Forscher gehen aber davon aus, dass Hunde auch über Spiegelneuronen verfügen, denn es gibt zahlreiche Phänomene zwischen Hund und Halter, die sonst nicht zu erklären sind. Warum sucht der Hund extrem die Nähe, wenn es einem schlecht geht. Warum reagiert ein Hund wesentlich aggressiver, wenn man Angst hat? Warum “spürt” der Hund, wenn wir unsicher sind oder unsicher trainieren? Oder wir sind total gut gelaunt... dann “lacht” der Hund einen förmlich an...

Oxytocin: Wenn man den Hund streichelt wird bei beiden (Hund und Halter) das “Kuschelhormon” Oxytocin ausgeschüttet, durch das der Blutdruck runter gefahren wird. Oxytocin reduziert dadurch auch Angst und Anspannung und trägt zur Bindung bei. Forscher (Azabu University) haben nach 30-minütigen Kuscheln von Hund und Halter, bei beiden einen erhöhten Oxytocin-Wert im Urin feststellen können.

Daher: Kuscheln für Wohlbefinden und Bindung....

“Joint Attention” nennt man die gemeinsame Aufmerksamkeit zweier oder mehrerer Individuen auf eine Sache. Das optische Aufbereitungs- und Interpretationssystem der Sehrinde ist daran beteiligt. Bei Hunden gibt es zur Zeit noch keine wissenschaftlichen Daten, aber jeder Hundehalter kennt es, dass, wenn man in eine bestimmte Richtung guckt, der Hund dem Blick folgt. Diese wechselseitige Spiegelung ist noch unerforscht, aber ich glaube, jeder Hundehalter kann bestätigen, dass der eigene Hund “Joint Attention” mit ihm hat.

Auch bei problematischen Hundebegnungen kann das Fokussieren des Hundehalters auf einen fremden Hund (gepaart mit angespannter Körperhaltung), eine negative Bestätigung (kurzer Blick zum Halter) darstellen, dass sich von vorne das "Grauen" nähert.

Unsere Lieblinge sind eben sehr gute Beobachter.. 

Jagdtrieb: Viele Hundehalter klagen über einen Jagdtrieb ihrer Hunde. Was dann als Alternative für den Hund kommt, wenn er abgeleint wird ist..... nichts! Vielen Hunden ist einfach nur stinklangweilig, wenn sie mit ihren Haltern spazieren gehen. Sie fangen dann an, ihr Entertainment im Außen zu suchen und das kann natürlich auch die Jagd werden. Viele Probleme würden gar nicht erst auftauchen, wenn interessante Beschäftigungen Teil des Spaziergangs wären. Kleine Suchspiele, Dummy oder Futterbeutel apportieren u.v.m. sollten fester Bestandteil sein. Je mehr ich dem Liebling anbiete, umso weniger wird er auf “dumme Gedanken” kommen. 

Die Kosten für einen Hund liegen inklusive der Anschaffung im Durchschnitt zwischen 12.000 und 17.000 Euro im Laufe seines Lebens. Hunde haben je nach Rasse eine unterschiedliche Lebenserwartung, für die Berechnung wurde das Durchschnittsalter von 14 Jahren zugrunde gelegt. Errechnet hat diese Angabe der Deutsche Tierschutzbund.

Gesetze: Wir Hundehalter müssen uns an viele Gesetze halten.
Aber welche Gesetze betreffen uns im Einzelnen? In welchen Gesetzen sind Paragraphen enthalten, die Hunde betreffen?
Es sind viel mehr, als man denkt 😉
- Tierschutzgesetz
- Hundeverordung des Bundeslandes
- Hundeverbringungsgesetz
- Bundesjagdgesetz
- Bundesnaturschutzgesetz
- Tollwutverordnung
- Strassenverkehrsordnung
- Abfallgesetz
- Zivilrecht
- Strafgesetzbuch
- Gesetz über Ordnungswidrigkeiten

Loben an der falschen Stelle: Lob ist der wichtigste Baustein in der Hundeausbildung. Leider wird immer wieder gern an der falschen Stelle gelobt. Dadurch können sich Ängste als auch Aggressionen erst richtig entwickeln. Ich möchte hier nur zwei Fehler nennen, die bestimmt jedem bekannt vorkommen. Als erstes Beispiel beim Thema Aggression: Hund reagiert an der Leine aggressiv auf einen Anderen... der Halter sagt in einem liebevollen Ton: “Das ist doch nur der Tony von nebenan... Alles guuuuuut......” Was kommt bei dem Hund durch die Stimmlage an? Den “Job”, den er da gerade macht, ist echt großartig! Der Hund wir für das aggressive Verhalten stimmlich belohnt. Anderes Beispiel beim Thema Ängste: Der Hund sieht z.B. einen Mülleimer und bricht in sich zusammen, zeigt Angst und extremes Meideverhalten..... der Halter sagt auch in diesem Beispiel in einem liebevollen Ton.....”Das ist doch nur ein Mülleimer..... Alles guuuuuut....” Auch bei diesem Beispiel bewirkt man durch den Tonfall, dass der Hund in seiner ängstlichen Geisteshaltung bestätigt wird.

Hunde beherrschen unsere Sprache nicht, sind aber Profis, unsere Stimmlage (und unsere Mimik) zu interpretieren.

Bei den Themen Angst und Aggression ist Lob der wichtigste Baustein, aber immer an der richtigen Stelle. Wenn man nicht genau weiß, ob es sich um den richtigen Zeitpunkt handelt, dann lieber nichts sagen. Denn Lob an der falschen Stelle bildet die jeweilige Problematik nur aus.

Dann lieber “Kosack der Schweigsame” sein und warten, bis der Hund das erwünschte Verhalten zeigt. Und dann: loben, loben und nochmal loben.

Vertrauen entsteht im miteinander Erleben!!!

HUND. MENSCH. MITEINANDER.